Synode: Magdalenische Kirche, „viri probati“ und ganzheitliche Ökologie

Am 26. Oktober ging die Amazonas-Synode mit Ergebnissen zu Ende, die der Ordensgemeinschaften-Korrespondent P. Franz Helm mit „WOW!“ kommentierte: Die Zulassung verheirateter Priester, Wunsch einer Diskussion über den Frauendiakonat und ein verstärktes ökologisches und soziales Engagement im Amazonasgebiet.

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Bischofsversammlung positioniert Kirche klar für Rettung Amazoniens und liefert dem Papst Vorschläge zur Überwindung des Priestermangels - Auch Anregung eines eigenen amazonisch-katholischen Ritus, bei Frauendiakonat vorsichtigere Formulierung (c) Franz Helm

Reaktionen von Ordensleuten

Über Facebook berichtete der Steyler Missionar und ehemalige Generalsekretär der Superiorenkonferenz der männlichen Ordensgemeinschaften Österreichs, Franz Helm, in regelmäßigen Abständen über den Fortgang der Amazonien-Synode. Zum gestrigen Abschluss postete er:

"Das Schlussdokument der Amazoniensynode spricht von einer „magdalenischen“ Kirche, „die sich geliebt und versöhnt fühlt und mit Freude und Überzeugung den gekreuzigten und auferstandenen Christus verkündet“ (Nr. 22) Wow!"

Auch die Ordensfrau Sr. Birgit Weiler, die als Expertin für interkulturelle Theologie zur Synode geladen worden war, äußert sich gegenüber der Kathpress zufrieden: Die Mitarbeit indigener Frauen und Männer an einer Bischofssynode in Rom sei ein historischer Moment gewesen. Zudem unterstrich sie, dass die Kirche nun formal anerkenne, dass Frauen in Gemeinden seit langem wichtige Führungsaufgaben wahrnehmen und dies künftig auch vom jeweiligen Bischof formal anerkannt und bestätigt werden solle.

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Pe. Fernando, ein Jesuit aus dem Amazonasgebiet, mit Sr. Birgit Weiler, die in Peru wirkt und als Expertin an der Synode teilnimmt (c) P. Franz Helm

Auf der Synode hatten seit dem 6. Oktober 185 Mitglieder, größtenteils Bischöfe, sowie knapp 100 Ordensleute, Experten und Gäste über pastorale Herausforderungen im Amazonasgebiet beraten. 

Ergebnisse

 

Man stimmte für die Zulassung verheirateter Priester ("viri probati") in entlegenen Regionen, für einen energischen Einsatz im Schutz des Amazonas und seiner Bewohner und bekundete den Wunsch, mit einer vom Papst im Jahr 2016 eingesetzten Kommission zum Frauendiakonat in Austausch zu treten.

Das Schlussdokument hat keine bindende Kraft, dient aber dem Papst zur Meinungsbildung im Blick auf ein eigenes Schreiben, das er bis zum Jahresende in Aussicht stellte. Für jeden der insgesamt 120 Artikel war eine Zweidrittelmehrheit der 181 bei der Abstimmung anwesenden Synodalen notwendig, also 120 Stimmen. Die meisten Gegenstimmen erhielten die Artikel zu den verheirateten Priestern (41 Nein-Stimmen bei 128 Ja-Stimmen) und zum Frauendiakonat (30 Nein-Stimmen bei 137 Ja-Stimmen).

Dienste an Männer und Frauen gleichermaßen verleihen

Um Lösungen für die Herausforderungen in der Seelsorge Amazoniens zu finden, brauche die Kirche ein von Dialog, Zuhören, Unterscheidung und Konsensfindung geprägtes Miteinander, eine "synodale Erfahrung", hält die Synode fest. Laien sollten in ihrer Mitverantwortung in Beratungen wie auch Entscheidungen gestärkt werden, wozu die amazonische Kirche "Dienste an Männer und Frauen gleichermaßen" verleihen sollte. In Gemeinden ohne Priester könnte der Bischof für begrenzte Zeit ungeweihten Personen aus der Gemeinde die Seelsorge im Rotationsprinzip übertragen, wobei es auch "weibliche Gemeindeleiterinnen" geben solle.

Wortlaut zum Frauendiakonat

Hinsichtlich eines Diakonates von Frauen hält das Dokument sehr vorsichtig fest, dass dies in den Beratungen mehrfach gefordert worden war. Im Wortlaut (übersetzt durch die Kathpress): 

"In vielfältigen Beratungen in der Amazonas-Region wurde die fundamentale Rolle der Ordensfrauen und anderer Frauen in der amazonischen Kirche und ihren Gemeinden angesichts ihrer vielfältigen Dienste anerkannt und unterstrichen. In vielen der genannten Beratungen wurde ein Ständiger Diakonat für Frauen gefordert. Daher war das Thema auch bei der Synode sehr präsent. Papst Franziskus hat 2016 eine Studienkommission über das Diakonat der Frau eingesetzt. Diese Kommission kam zu einem Teilergebnis über die Realität des Frauendiakonats in den ersten Jahrhunderten der Kirche und die Implikationen für heute. Deshalb würden wir gerne unsere Erfahrungen und Überlegungen mit dieser Kommission teilen und wir erwarten ihre Ergebnisse."

Vorschlag eines neuen Ritus

Explizit vorgeschlagen wird hingegen ein neuer "amazonischer Ritus", welchen eine eigens eingerichtete Kommission prüfen und vorbereiten sollte. Der neue Ritus würde an die Seite der 23 bereits bestehenden Riten innerhalb der katholischen Kirche treten und "das liturgische, theologische, disziplinäre und geistliche Erbe Amazoniens" zum Ausdruck bringen; an dieser Stelle verweist das Schlussdokument der Synode auf das, was die Konzilskonstitution "Lumen Gentium" für die Ostkirchen festhält.

Einsatz für unseren Planeten ist alternativlos

Angesichts einer "sozioökologischen Krise" im noch nie dagewesenen Maßstab müsse sich die Kirche dringend für den Planeten Erde einsetzen, der ein "Geschenk Gottes" sei, stellen die Synodenteilnehmer in sehr klaren Worten zur Umweltproblematik Amazoniens fest.

Zu einer "ganzheitlichen Ökologie" gebe es keine Alternative, sie sei nicht eine zusätzlich wählbare Option für Kirche in der Region, sondern "der einzige mögliche Weg, denn es gibt keinen anderen Pfad zur Rettung dieses Territoriums".

Für diese Ökologie sei der von den Indigenen praktizierte Umgang mit dem Lebensraum vorbildhaft; er bereichere die Soziallehre der Kirche, die schon länger auch die ökologische Frage im Blick habe, stellt das Abschlusspapier fest.

Kirche muss für Nachhaltigkeit und radikale Energiewende stehen

Der christliche Glaube habe eine "politische und ethische Dimension", heißt es weiter im Text, der das vorherrschende Entwicklungsmodell als ein "zerstörerisches" bezeichnet. Die Kirche müsse ihre Position dazu klar zum Ausdruck bringen, zu einer "radikalen Energiewende" hin zu mehr Nachhaltigkeit beitragen und Modelle für gerechte, solidarische und nachhaltige Entwicklung unterstützen. Der Weg dazu sei durch Einbezug indigenen Wissens, der Prüfung jedes einzelnen Vorhabens zum Abbau von Rohstoffen in Amazonien auf seine Folgen für das Gebiet und seine Bevölkerung hin. Profit dürfe nie über Umweltfragen und Menschenrechten stehen.

Einrichtung eines Weltfonds und ökologisch-pastoraler Dokumentationsstelle

Zwei konkrete Beiträge empfiehlt die Synode: Zunächst einen Weltfonds einzurichten, der die Gemeinschaften in Amazonien für ihre ökologische Arbeit entschädigt und sie zugleich vor ausbeuterischen Vorhaben von Konzernen schützt. Zweitens ist aus Sicht der Synode eine ökologisch-pastorale Dokumentationsstelle einzurichten, die der Verteidigung des Lebens dient. An den Papst ergeht die Bitte, im Dikasterium für die ganzheitliche Entwicklung des Menschen eine eigene Unterabteilung für Amazonien einzurichten, die mit der neuen Dokumentationsstelle zusammenarbeitet.

Amazonas-Bedeutung für Weltklima anerkennen

An die "internationale Solidargemeinschaft" richtet die Synode die Forderung, die "zentrale Bedeutung des Amazonas-Lebensraums für das Weltklima" anzuerkennen und zu fördern. "Die Kirche ermutigt die internationale Gemeinschaft, neue ökonomische Ressourcen für den Schutz des Gebietes zur Verfügung zu stellen und sich für ein gerechtes und solidarisches Entwicklungsmodell einzusetzen. Dabei sollen die örtlichen Gemeinden und die Ureinwohner im Mittelpunkt stehen und in jeder Phase von der Planung bis zu Umsetzung direkt beteiligt werden", betonen die Synodenteilnehmer. Die von den UN-Abkommen zum Klimawandel entwickelten Instrumente gelte es zu stärken.

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Eine Vertreterin indigener Völker gibt ein Interview auf dem Petersplatz. (c) P. Franz Helm

Verteidigung der Indigenen

Auf den Umgang mit den Indigenen im Amazonasgebiet und deren Verteidigung geht das Abschlusspapier sehr ausführlich ein, u.a. mit einer Würdigung indigener Traditionen und Lebensweisen.

Indigene Religionen verdienten es, "gekannt und in ihren eigenen Ausdrücken und ihren Beziehungen zum Wald und zur Mutter Erde verstanden zu werden", stellt das Dokument fest. Die Volksfrömmigkeit und der Glaubensausdruck in Amazonien müssten in der Kirche "wertgeschätzt, begleitet, gefördert und manchmal gereinigt" werden, zudem gelte es indigene Priesterberufungen stärker zu fördern, denn "Amazonien muss auch durch Amazonier evangelisiert werden".

Synode FÜR Allianz mit amazonischen Völkern

Die Synode ergreift dabei Partei für eine Allianz mit den amazonischen Völkern. "Attentate gegen das Leben und die Gemeinschaften Indigener" gelte es anzuzeigen und Projekte, die deren Rechte einschränken, anzuprangern. Diese Verteidigung des Lebens, der Gemeinschaften, der Erde und der Rechte der Indigenenvölker sei ein "Prinzip des Evangeliums", das die Kirche bewahren müsse. Heftig wird kritisiert, dass wichtige Verteidiger der Rechte der angestammten Bevölkerung der Region in der Öffentlichkeit kriminalisiert würden. Der Einsatz für die Menschenrechte sei für Christen "eine Erfordernis des Glaubens".

Kirche ist KEINE Kolonialherrin

Klar weist das Synodendokument zudem auch die Vorstellung zurück, Kirche könne als Kolonialherrin von oben herab auftreten. Stattdessen sei wirtschaftlich, kulturell wie auch religiös eine "Annäherung auf Augenhöhe" wichtig, die nicht bestimmte Lebensarten von einem Volk auf das andere auflege. "Wir weisen eine Evangelisierung im Kolonialstil zurück. Die Frohe Botschaft von Jesus verkünden heißt, die Samen des Wortes anzuerkennen, die in den Kulturen angelegt sind", heißt es im Text wörtlich. Wirklich "einheimische" katholische Kirchen in Amazonien könnten nur dort entstehen, wo das Evangelium "inkulturiert", also kulturell beheimatet ist.

Link zum Schlussdokument der Synode

Link zum Auszug der wichtigsten Punkte des Schlussdokuments auf Deutsch 

Quelle: Kathpress

[mschauer]