Ordensfrau Weiler bei Amazonassynode

Manche würden die stundenlangen Bootsfahrten auf den Flüssen des Amazonasgebietes für eintönig halten. Für Birgit Weiler ist es eine willkommene Zeit der Ruhe und Meditation. "Ich liebe es, wenn stundenlang die Landschaft an mir vorbeizieht, mit den Grünschattierungen des Waldes und den Anlegestellen der Dörfer", sagt die in Deutschland geborene Missionsärztliche Schwester und promovierte Theologin. Sie ist dann unterwegs zu einer Gemeinde tief im Regenwald. Ende Juli berichtete Weiler bei der heurigen Weltkirche-Tagung in Wels von ihrer Arbeit. Jetzt hat sie Papst Franziskus zur Teilnahme an der Sondersynode über die Zukunft des Amazonasgebiets ab 6. Oktober in den Vatikan eingeladen.

7 weiler IMG 4969 700 Die aus Deutschland stammende Missionsärztliche Schwester ist für die Menschen im Amazonasgebiet besonders engagiert - Nun hat sie der Papst zur Sondersynode in den Vatikan eingeladen. Foto: Ordensgemeinschaften Österreich

Vor 20 Jahren hat Weiler das erste Mal die Welt des Amazonas betreten. "Ich erlebte auf der Pastoralversammlung im Amazonasteil des Vikariates von Jaen, wie Indigene vom Volk der Awajun dem katholischen Bischof respektvoll, aber mit guten Gründen widersprachen." Denn im Hochland oder an der Küste Perus, wo Weiler bis heute die meiste Zeit wohnt, traute sich das kaum jemand. Das weite Gebiet jenseits der Anden war viel weniger der spanischen Kolonisation und Missionierung ausgesetzt als die Andengebiete.

Seitdem kehrt Weiler immer wieder in diese Region zurück. Sie begleitet die Indigenen-Pastoral des Vikariates Jaen, arbeitet an einer Inkulturierung der Pastoral bei den Ethnien Awajun und Wampis. Zur Zeit koordiniert sie einen Konsultationsprozess unter beiden Völkern für eine Neuausrichtung der Schulbildung, ausgehend von den indigenen Kulturen. Für ihre Dissertation über die Kosmovision der Awajun und Wampis hat sie viele Wochen in Indigenen-Gemeinden verbracht und erlebt, wie eng die Ureinwohner mit der Natur verbunden sind. Die Theologin hat aber auch gesehen, wie sehr dieses letzte große unerschlossene Gebiet Südamerikas von verschiedenen Kräften ausgebeutet wird und wie wenig die indigenen Völker ihre Rechte durchsetzen können.

Einsatz für globale Gerechtigkeit

Dass eine ungehinderte Ausbeutung der Natur nicht ohne Folgen bleibt, hat sie bereits als Kind im deutschen Duisburg erfahren. Wenn vor 50 Jahren im Ruhrgebiet die Frauen frisch gewaschene Wäsche zum Trocknen aufhängten, mussten sie wissen, wann der Hochofen abgestochen wurde. "Denn wenn die Wäsche nicht rechtzeitig drin war, rieselten Rußflocken auf sie hernieder", erinnert sich die 60-Jährige an die Blüte der Schwerindustrie im Ruhrgebiet.

Erst nach und nach trat auch die Gesundheit der Arbeiter und Anwohner in den Blick. Aber es war auch die Zeit des weltkirchlichen Aufbruchs und der Theologie der Befreiung. Dieser Aufbruch sollte Weilers Leben bestimmen. "Die Missionsärztlichen Schwestern kamen zu uns in die Schule, es hat mich beeindruckt, wie sie den Einsatz für globale Gerechtigkeit und ihren Glauben vereinen." So sehr, dass für die 18-jährige Birgit klar war, dass sie selber auch Missionsärztliche Schwester werden möchte. Eine Berufung, an der sie bis heute nie gezweifelt hat.

Nach einjährigem Einsatz in Venezuela schickte ihr Orden sie vor 31 Jahren nach Peru. Heute ist Birgit Weiler nicht nur eine international gefragte Expertin für interkulturelle Theologie. Sie ist wie vor 50 Jahren eine glühende Kämpferin für Gerechtigkeit und Frieden. "Wir haben noch einen langen Weg vor uns, bis wir den Klerikalismus überwinden." Für die kommende Amazonien-Synode wünscht sie sich, dass dort neue Wege beschritten werden, für eine Kirche, die auch die tragende Rolle der Frauen in der Kirche Amazoniens anerkennt und ihnen ein offizielles Dienstamt anvertraut.

Kirche an der Seite der Indigenen

Der Ordensschwester ist es ein großes Anliegen, dass sich die Kirche an die Seite der Indigenen wie auch der anderen Bevölkerungsgruppen in Amazonien stellt, die da, wo nötig, Widerstand leisten gegen ökonomische und politische Mächte, welche die Zukunft des Regenwaldes und seiner Menschen gefährden.

Im Amazonasgebiet mit seiner grünen Weite, den Wäldern und Flüssen sei ihr Herz aufgegangen, sagt Weiler. Und berichtet von einer tief beeindruckenden Begegnung. "Schau doch, wie schön der Regenwald, unsere Heimat ist", erzählte ihr ein Mädchen in einem Dorf. Andere würden sagen, sie seien arm, aber das stimme so nicht. "Wir haben hier so viel Schönes und Gutes. Aber wir sind arm an Sicherheit, dass unsere Rechte auch wirklich respektiert werden." Besser, so Birgit Weiler, könne es eine Theologie der Befreiung nicht ausdrücken.

Artikel zur Weltkirche-Tagung in den ON3/2019 von Robert Sonnleitner

Quelle: kathpress

[mgsellmann]