Hitzewarnung für das Herz

Die für Juni ungewöhnlichen Hitzewellen waren nur ein Vorgeschmack darauf, was uns der Sommer noch bringen wird, denn Meteorologen rechnen mit weiteren Hitzerekorden. Was für gesunde Menschen beliebtes Small-Talk-Thema ist, kann für HerzpatientInnen durchaus gefährlich sein. Priv.-Doz. Mag. Dr. Thomas Berger, Ärztlicher Leiter der Barmherzigen Brüder Linz, hilft mit Tipps, wie sich HerzpatientInnen bei Hitze am besten schützen, damit ein heißer Tag nicht im Spital endet.

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Priv.-Doz. Mag. Dr. Thomas Berger, Ärztliche Leitung. Fotorechte: Barmherzige Brüder Linz

„Hitzewarnung“ ist eines jener Worte, die herzkranken Menschen Angst machen, bedeutet es für sie doch oft Einbußen in ihrer Lebensqualität und mitunter sogar bedrohliche Situationen. Grund dafür ist, dass das körpereigene Kühlsystem oft nicht mehr richtig arbeitet und der Körper damit kämpft, seine Temperatur zu regulieren. Erste Folgen sind Müdigkeit und Schwindel, der Blutdruck fällt in ungewohnt niedrige Bereiche. Im weiteren Verlauf kann es zu Kreislaufversagen, Herzrhythmusstörungen oder Muskelkrämpfen kommen. Es gibt jedoch einige Maßnahmen die helfen, dass ein heißer Tag nicht im Krankenhaus endet.

Kluge Tagesplanung und Kleidung aus Naturstoffen

Wenn es heiß ist, kühlt der Körper durch Schwitzen und erhöhte Durchblutung der Haut. Bei HerzpatientInnen kommt das Herz dabei schneller in den Bereich einer Überforderung. Wichtig ist daher, zusätzliche Anstrengungen so gut es geht zu vermeiden und Aktivitäten auf die kühlere Tageszeit zu verschieben. Südliche Länder machen uns das mit einer ausgedehnten Siesta zur Mittagszeit vor. Dann sind die Straßen leer und die Menschen halten sich in ihrem verdunkelten, kühlen Zuhause auf. Klimaanlagen sollten aber nicht zu kalt eingestellt werden, denn der rapide Wechsel von kalt auf heiß beim Verlassen der Wohnung kann die körpereigene Temperaturregulation überfordern. Auch die Kleiderwahl spielt eine wichtige Rolle. Synthetische Stoffe unterbinden die Luftzirkulation, was zu einem weiteren Anstieg der Körpertemperatur führt, da sich die Hitze unter der Kleidung staut. Natürliche atmungsaktive Materialien wie Leinen oder Baumwolle sind die bessere Wahl, vor allem wenn die Kleidung locker sitzt. Auch eine Kopfbedeckung ist gerade bei direkter Sonnenexposition wichtig.

Nicht zu wenig, aber auch nicht zu viel trinken

Wer schwitzt, verliert Flüssigkeit und auch der Elektrolythaushalt gerät aus dem Gleichgewicht. Genügend Wasser oder ungesüßte Tees zu trinken ist also ein wichtiger Bestandteil der persönlichen Vorsorge. Liegt der Flüssigkeitsbedarf an einem normalen Tag bei etwa 1,5l, sind aus medizinischer Sicht bei großer Hitze etwa 1 bis 2 Liter zusätzlich ratsam.

„Wenn das Durstgefühl auftritt, ist es schon eine ¼ Stunde zu spät“

Durst ist ein später Bote für Wassermangel im Körper. Denn sobald sich Durst einstellt, hat der Körper schon zu viel Wasser verloren. Dazu kommt, dass ältere und herzkranke Menschen seltener Durst verspühren, sodass sie ans Trinken erinnert werden sollten. „Besonders problematisch ist das, wenn die PatientInnen Diuretika, also Arzneimittel, die eine vermehrte Ausschwemmung von Urin aus dem Körper bewirken, einnehmen müssen. Durch die verstärkte Harnerzeugung kommt es zu einem weiteren Flüssigkeitsverlust, das Blutvolumen in den Gefäßen nimmt ab und der Blutdruck sinkt. Die Folge kann eine Minderdurchblutung einzelner Organe bis hin zum Kreislaufkollaps mit Bewusstlosigkeit sein“, warnt Dr. Berger. Es gibt allerdings auch ein Zuviel des Guten. Der Grund ist, dass eine übermäßige Flüssigkeitszufuhr gerade bei PatientInnen mit einer Herzschwäche die Herzleistung weiter verschlechtern kann. Es ist daher ratsam, mit dem Arzt die Trinkmenge und die Art und Anzahl der verschriebenen Medikamente auch in Hinblick auf Temperaturextreme abzustimmen.

Den Blutdruck im Blick und den Körper gekühlt

Da die Trinkmenge den Blutdruck beeinflusst, gilt es bei der Einnahme von Blutdrucksenkern diesen genau im Auge zu behalten. Zeigen die Messungen trotz ausreichender Flüssigkeitszufuhr einen sehr niedrigen Blutdruck an, kann es ratsam sein, kurzzeitig die Dosierung anzupassen. Am besten bespricht man auch das mit dem Hausarzt. Kühlen hilft dem Herz-Kreislauf-System: etwa indem man die Arme bis über die Ellenbogen in kaltes Wasser hält oder mit den Beinen in einem Eimer mit kühlem Wasser planscht.