Welt-Autismus-Tag am 2. April: Aktionstag am Linzer Hauptplatz macht auf Thema aufmerksam

Über 80.000 Menschen sind in Österreich von einer Autismus-Spektrum-Störung betroffen, davon etwa 48.500 Kinder. Die Bandbreite dieser tiefgreifenden Entwicklungsstörung ist groß, viele Betroffene sind gesellschaftlich isoliert. Anlässlich des Welt-Autismus-Tags am 2. April 2019 laden die Barmherzigen Brüder Linz gemeinsam mit verschiedenen Sozialeinrichtungen zu einem Aktionstag am Linzer Hauptplatz, um auf die Bedürfnisse der Betroffenen aufmerksam zu machen.

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Prim. Priv.-Doz. Dr. Johannes Fellinger, Institutsleiter, Institut für Sinnes- und Sprachneurologie. Fotorechte: Barmherzige Brüder Linz

„Menschen mit einer Autismus-Spektrum-Störung nehmen ihre Umgebung anders wahr als die meisten Menschen und haben häufig große Schwierigkeiten mit der sozialen Interaktion“, möchte Primar Dr. Johannes Fellinger vom Konventhospital der Barmherzigen Brüder Linz für das Thema sensibilisieren. Als Leiter des Instituts für Sinnes- und Sprachneurologie hat er hier in den vergangenen Jahrzehnten die Entwicklungsmedizin, die sich mit neurogenen Entwicklungsstörungen auseinandersetzt, etabliert. Einer der Schwerpunkte ist der Autismus. Maßgeblich an der Entwicklung beteiligt war dabei auch Priv.-Doz. Dr. Daniel Holzinger, der Leiter des Zentrums für Kommunikation und Sprache (zu dem das Autismuskompetenzzentrum gehört), der das Early Start Denver Modell nach Österreich geholt hat, ein hochfrequentes, ganzheitliches und alle Aspekte der kindlichen Entwicklung berücksichtigendes Interventions- und Frühförderprogramm.
„Die Betroffenen können sich schwer in andere hineinfühlen, mit ihnen mitleben. Sie haben oft starke Über- oder Unterempfindlichkeiten gegenüber bestimmten Reizen aus der Umwelt (z.B. gegenüber bestimmten Geräuschen, Gerüchen, Berührungen, Materialien, Lichtreizen oder Blickkontakt) und reagieren auf zu viele Reize häufig mit Überforderung. Ein zweites großes Kriterium sind Spezialinteressen oder Stereotypien, Verhaltensmuster, die Auffälligkeiten darstellen“, fasst der Primar zusammen. Wichtig ist ihm die richtige Diagnose. „Es ist für viele Betroffene eine große Hilfe, weil ihnen endlich klar wird, warum sie so wenig dazu passen. Und die Angehörigen können verstehen, warum sich ihr Lieben so und nicht anders verhalten“.

Mit der Frage: „Was siehst du?“ werden PassantInnen am Aktionstag am Linzer Hauptplatz eingeladen, in die Wahrnehmungswelt von Menschen mit Autismus einzutauchen und herauszufinden, wie es ist, wenn man z.B. beim Schreiben durch laute Geräusche oder unregelmäßiges Klopfen auf die Schuler abgelenkt wird. BesucherInnen können vor Ort in Erlebnisstationen erfahren, wie sich Menschen mit einer Autismus-Spektrum-Störung fühlen, was sie sehen, was sie hören und was sie wahrnehmen. Eine Fotoausstellung mit Bildern der Linzer Fotografin Doris Reinthaler und Bildern von Menschen mit Autismus gibt Einblick in deren Welt.

Das Wissen über Autismus und damit verbundene hilfreiche Maßnahmen kann im Alltag sehr unterstützend sein. Daher stehen ExpertInnen folgender Sozialeinrichtungen am Aktionstag Rede und Antwort und informieren über Angebote und Unterstützungsmöglichkeiten: Autistenhilfe, Barmherzige Brüder, Diakoniewerk, Diakonie Zentrum Spattstraße, Caritas für Menschen mit Behinderung. Die LINZ AG unterstützt den Aktionstag als Sponsor. Um 11.00 Uhr gibt es einen geführten Rundgang durch die Ausstellung und die Erlebnisstationen.