Steyler Ordensmänner gehen für ungeteilte Menschenwürde auf die Straße

Pater Franz Helm, Pater Christian Stranz und Bruder Emanuel Huemer setzen sich entschieden für mehr Menschlichkeit in Österreichs Asylpolitik ein, von Vorarlberg bis Niederösterreich. Die Würde von Menschen ist für einige Politiker nicht unantastbar, beobachten sie. Dass christliche Wählerinnen und Wähler die Regierung darin trotzdem unterstützen, verstehen die drei Steyler Missionare nicht.

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Bruder Emanuel Huemer (Foto Steyler) 

„Die Politik dieser Regierung geht gegen alle, die sozial schwach sind“, stellt Pater Christian Stranz fest, Steyler Missionar und Pfarrer in Dornbirn. Er hatte im Jänner 2019 eine große Demonstration für mehr Menschlichkeit in der Asylpolitik mitorganisiert. Sein Ordensbruder aus Niederösterreich, Pater Franz Helm, beobachtet dasselbe. „Den sogenannten ‚Sozialschmarotzern‘ nehmen Regierungspolitiker durch ihre Rhetorik jede Würde“, zeigt sich Helm bestürzt. „Jeder Mensch ist als Gottes Ebenbild geschaffen und die Menschenwürde ist ohne Ausnahme zu achten - egal, wie sich Menschen im Einzelfall verhalten.“ Der Ordensmann stellt hohe Ansprüche und macht klar: „Alles andere ist unchristlich.“

Aus Drasenhofen nach St. Gabriel nach Ungewiss

Abseits des parteipolitischen Hickhacks sieht sich Pater Helm deshalb gezwungen, Stellung zu nehmen. Dass er als großer Kritiker der niederösterreichischen Landeshauptfrau wahrgenommen wird, sieht er als Folge dieses Einsatzes. Konkreter Anlassfall: 16 minderjährige Asylwerbende, die im Haus St. Gabriel der Steyler Missionare von der Caritas betreut wurden, seit sie vor zehn Wochen aus einer ungeeigneten Unterkunft in Drasenhofen hierher übersiedelt worden waren. Einige von ihnen wurden bereits weiterverlegt, als sie volljährig wurden. Die zehn übrigen Burschen werden, wie der zuständige Landesrat Gottfried Waldhäusl ankündigte, ebenfalls weiter übersiedelt. „Wir wissen nicht wann, wohin und wie“, sagt Franz Helm. „Es geht einfach nicht an, dass durch die Erlebnisse ohnehin traumatisierte Jugendliche ständig hin- und hergeschoben werden.“ Expertinnen und Experten wie Rechtsanwalt Georg Zanger stellten bereits fest, dass die dauernde Entwurzelung der jungen Menschen das Kindeswohl gefährden könne.

Gewaltloser Widerstand braucht gegenseitige Unterstützung

Dass Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner dabei zusieht, wie der FP-Landesrat mit Asylwerbenden umgeht, kann Pater Helm nicht akzeptieren. Sein Wunsch ist, dass die Asylagenden in Niederösterreich aus den Händen der FPÖ in andere Hände gegeben werden, „die für die Menschen da sind“. Wie Pater Helm steht auch sein jüngerer Ordensbruder Emanuel Huemer Sonntag für Sonntag auf der Straße, um gemeinsam mit zahlreichen Interessierten in Mödling und Maria Enzersdorf für Menschlichkeit und Zusammenhalt zu demonstrieren. „Den Ehrenamtlichen, die Flüchtlinge begleiten, bläst zur Zeit ein eisiger Wind ins Gesicht. Ihr Einsatz braucht unsere öffentliche Unterstützung. Wir sagen gemeinsam HALT zu Hetze und Spaltung in unserem Land und setzen uns ein für Solidarität mit sozial Schwachen.“ Bruder Emanuel Huemer will die „Politik der Ausgrenzung“ nicht hinnehmen. Dass Christinnen und Christen dieser Politik teils schweigend zustimmen, erklärt er damit, dass sozialpolitische Fragen für die Kirche lange Zeit nicht zentral waren. „Man konzentrierte sich auf Fragen der Moral, egal, ob Kirchengebote oder Sexualmoral.“ Ein kritisches Bewusstsein in jesuanischer Freiheit müssten viele erst entwickeln. Während in St. Gabriel etwa einhundert Standhafte zu den Sonntagsdemos kommen, zieht die Bewegung in Vorarlberg bereits viel weitere Kreise. Alle zwei Wochen versammeln sich über tausend Menschen an wechselnden Orten, um für mehr Menschlichkeit einzutreten. Eine der größten Vorarlberger Sonntagsdemonstrationen hat Pater Christian Stranz mit dem Internisten und Vizepräsidenten der Vorarlberger Ärztekammer Burkhard Walla in Dornbirn organisiert. Es geht ihm um eine faire Asyl- und Fremdenpolitik mit mehr Augenmaß und vor allem mit Achtung vor der menschlichen Würde. Betroffen fragt er sich, wieso Christinnen und Christen zustimmen, wenn die Politik einen Keil in die Gesellschaft treibt. „Warum verstehen die Leute nicht, was das Anliegen von Jesus war?“ 

[fkaineder]