Wirksam sein durch Reduktion, Multiplikation und Vertrauen

Führungskräfte und GestalterInnen aus allen Bereichen unserer Gesellschaft setzten sich im Kardinal König Haus eine Woche gemeinsam mit dem was sie bewirken wollen und dessen Auswirkungen auseinander. Reduktion, Multiplikation und Vertrauen standen dabei im Fokus: Reduktion bedeutet zum Wesentlichen zu kommen #LoslassenBefreit. Multiplikation als Vervielfachung am Beispiel der Brotvermehrung #GerechtigkeitGeht. Vertrauen als wertvolles Gut #BeziehungHeilt.

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WIRKsame Gespräche im Kardinal König Haus (c) Kardinal König Haus

 

Rund 300 Personen nahmen an den Vorträgen, Workshops, kontemplativen Einheiten und Exkursionen teil, die während der Woche der Wirksamkeit im Kardinal König Haus in Wien Ende Oktober ein Ensemble an Impulsen zum Nachdenken präsentierten. 

--> Jetzt gibt es die Beiträge für alle Interessierten zum Nachhören 

 

wirksam durch REDUKTION – 22. Oktober 2018 

Der moderne Mensch ist ein gehetztes Wesen, so meinen die beiden Zeitforscher und –berater Jonas und Karlheinz Geißler in ihrer Keynote „Time is honey!“. Der Grund dafür ist die mechanische Uhr – sie hat die Zeit aus ihrer vormals engen Bindung an die Natur gelöst und damit dem Kapitalismus den Weg bereitet. Das Motto unserer Gesellschaft lautet: „immer schneller, immer weiter, immer mehr – genug ist nicht genug“. 

In ihrer Keynote gingen Jonas und Karlheinz Geißler der Frage nach, wie sich auf die Anforderungen reagieren lässt, die unsere moderne Arbeits- und Lebenswelt mit sich bringt: 

Welche Kompetenzen sind notwendig, um auf die gesellschaftlichen und technologischen Beschleunigungstrends zu reagieren? 

Sie empfehlen unter anderem, auch unverplante, planlose Zeiten zu leben, die es möglich machen, dem rhythmischen Zeitmuster der inneren und der äußeren Natur zu folgen. Denn „es kommt im Leben nicht in erster Linie darauf an, wieviel Zeit man hat, sondern wieviel man von der Zeit hat.“

wirksam durch MULTIPLIKATION – 23. Oktober 2018 

In unserer Welt des Zuviel gibt es von Vielem zu wenig. 
Wir brauchen mehr vom Guten – wie bringen wir jene Prozesse der Multiplikation in Gang, die das Richtige stärken, vermehren und wirksam werden lassen? 

Der Medienprofessor, Kommunikationsexperte und Bestsellerautor Bernhard Pörksen gab in seiner Keynote Einblick in die Prinzipien und Ur-Muster bewegender Geschichten. 

Nach dem Motto „Unsere Welt besteht nicht aus Atomen, sondern aus Geschichten“ zeigte er auf, wie Multiplikation durch Storytelling funktionieren kann. Gute Geschichten, die Wirkung erzielen, zeichnen sich unter anderem dadurch aus, dass sie eine Botschaft in sich tragen, die über sie selbst hinausweist. 
Sie beinhalten tragende Bilder und starke Symbole, sind einladend und folgen dem Prinzip der narrativen Motivation. 

Darüber hinaus lassen gute Geschichten Lehrstellen für die Phantasie des Publikums, wodurch es selbst zu Akteuren der Geschichte werden kann. 

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Rund 300 Personen nahmen an der zweiten Woche der Wirksamkeit teil (c) Kardinal König Haus

wirksam durch VERTRAUEN – 24. Oktober 2018 

In seiner Keynote „Vertrauen oder Verlässlichkeit“ zeigte P. Michael Bordt auf, dass in der modernen Arbeitswelt zunehmend Begriffe benutzt werden, die ursprünglich vor allem im Kontext von Freundschaften oder Familie gebraucht wurden: Vertrauen, Wertschätzung, Dialog auf Augenhöhe. 

Dass persönliche Wertschätzung, Vertrauen und Anerkennung in der Arbeit gesucht wird, kann seiner Meinung nach auch ein Ausdruck dafür sein, dass die Unterscheidung zwischen der Arbeitswelt und dem privaten Leben nicht mehr so klar gezogen werden kann und als Folge davon auch in der Arbeit vermehrt nach einem partnerschaftlichen Miteinander gesucht wird. 

Die Gefahr daran ist, dass damit verbundene Erwartungen unrealistisch werden, weil eine Arbeitsbeziehung sie per se nicht erfüllen kann. Vertrauen ist laut P. Bordt vor allem dadurch charakterisiert, dass bewusst die Möglichkeit akzeptiert wird, verletzt zu werden, dass man annimmt, dass derjenige, dem vertraut wird, die eigenen Interessen und Bedürfnisse berücksichtigt und dass man vor allem an sich selbst zweifeln würde, wenn das eigene Vertrauen missbraucht wird. 

„Zweifle nie daran, dass eine kleine Gruppe engagierter Menschen die Welt verändern kann – tatsächlich ist dies die einzige Art und Weise, in der die Welt jemals verändert wurde.“ Margaret Mead

Die Rechtsanwältin, Autorin, Aktivistin und Gründerin der Ibn Rushd-Goethe Moschee Seyran Ates legte dar, wie sie sich seit Jahren für einen Ort für liberale und säkulare Muslime einsetzt. Einen Ort, an dem Männer und Frauen sich gleichberechtigt mit der aktuellen Situation auseinandersetzen und auch an Veränderungen im Islam arbeiten. 

Einen Ort für Muslime, die im 21. Jahrhundert ohne Unterschied zum sogenannten Westen selbstbestimmt, frei und demokratisch leben wollen. Mit der Gründung der Ibn Rushd-Goethe Moschee in Berlin war damit der Grundstein gelegt. Sie berichtete sowohl von den zahlreichen Hindernissen auf ihrem Weg, den persönlichen Anfeindungen und Bedrohungen, als auch von den vielen Menschen, die als Multiplikator/innen die Umsetzung dieser Vision erst ermöglicht haben.

[mschauer]