Das „Schlagerl“ – der leise Vorbote eines Schlaganfalls

Primar Eggers 120Das im Volksmund bekannte „Schlagerl“ tritt häufig als Vorbote eines „richtigen“ Schlaganfalls auf, der dauerhafte Schäden verursacht bzw. im schlimmsten Fall zum Tod führt. Im Rahmen einer Fachveranstaltung der Barmherzigen Brüder und oberösterreichischen Allgemeinmedizinern wurde eine verbesserte Zusammenarbeit in der neurologischen Akutversorgung, insbesondere bei Schlaganfall thematisiert.

Meist beginnt es plötzlich. Ein Arm, eine Hand, teilweise auch ein Bein oder eine Gesichtshälfte fühlt sich taub an oder hängt herab. Das Sprechen macht Probleme, man findet plötzlich nicht mehr die richtigen Worte. Mitunter ist das Sehen verschwommen oder starke Kopfschmerzen treten auf. Beschwerden, die im ersten Moment zwar verunsichern, aber häufig wieder ignoriert werden,  da sie ja meist nur von kurzer Dauer sind. Ein fataler Fehler, wie sich häufig herausstellt. In vielen Fällen handelt es sich dabei um das im Volksmund bagatellisierte „Schlagerl“.
Mediziner sprechen dabei von einer Transitorisch Ischämischen Attacke (TIA). Rund 10% aller „Schlagerl“ führen innerhalb von zwei Tagen zu einem großen Schlaganfall. Die folgenden zwei Wochen ist das Schlaganfallrisiko sogar um 15% erhöht. Andersherum sieht es noch eindeutiger aus: Geht man von den Schlaganfall-Patienten aus, dann haben sogar 40% vorher ein „Schlagerl“ erlitten.

Warnzeichen zuverlässig und schnell erkennen

Mit den Symptomen eines leichten bzw. akuten Schlaganfalls sind neben Rettung und Notärzten vorrangig Allgemeinmediziner und Hausärzte im täglichen Praxisalltag konfrontiert. Um speziell in neurologischen Akutsituationen die Zusammenarbeit von Allgemeinmedizinern und Krankenhausärzten zu optimieren, hat das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder am vergangenen Samstag zu einer gemeinsamen Fachveranstaltung geladen. Führende Experten der Barmherzigen Brüder Wien, Eisenstadt, Regensburg und Linz behandelten in Fachvorträgen und Workshops akute neurologische Ereignisse, wie sie im täglichen Praxisalltag bei Hausärzten immer wieder auftreten.
„Häufig geht es bei akutneurologischen Erkrankungen um Zeit. Gleichzeitig ist es in der Neurologie oft möglich, mit einfachen klinischen Mitteln der neurologischen Untersuchung die Diagnose zu stellen bzw. die Richtung vorzugeben“, erklärt Primar Univ.-Doz. Dr. Christian Eggers, Abteilungsvorstand der Neurologie bei den Barmherzigen Brüdern Linz.
So auch beim Schlaganfall. „Viele Schlaganfallspatienten kommen zu spät ins Krankenhaus“, warnt Oberarzt Dr. Christof Bocksrucker, Leiter der Stroke Unit bei den Barmherzigen Brüdern. „Wir verfügen heute über verschiedene Therapieverfahren beim akuten Schlaganfall, von denen Patienten dann profitieren, wenn Sie rasch ans richtige bzw. spezialisierte Zentrum gelangen. Generell sind das frühe Erkennen und die richtige Zuweisung ausschlaggebend für den Behandlungserfolg“.

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Oberarzt Dr. Christof Bocksrucker, Leiter der Stroke Unit Barmherzige Brüder Linz.
Fotocredits: Barmherzige Brüder Linz

Ziel der Experten ist es, laufend den Stand des neurologischen Wissens zwischen niedergelassenen Allgemeinmedizinern und Krankenhausärzten abzugleichen bzw. praxisnah zu vermitteln. Damit soll im Sinne einer raschen und hochqualitativen Patientenversorgung die Akutversorgung bei neurologischen Notfällen wie dem Schlaganfall optimiert werden.