Das war der Ordenstag und die Herbsttagung 2014

2014 11 27 das war der otag 120Vom 24. bis 26. November fand die Herbsttagung der Ordensgemeinschaften Österreich im Kardinal-König-Haus in Wien-Hietzing statt. Heuer stand die Ordenstagung unter einem besonderen Vorzeichen: Am 25. November wurde im Rahmen einer feierlichen Eucharistiefeier das JAHR DER ORDEN mit einem eigens gestalteten Lichtritual offiziell eröffnet – nur einer von vielen Lichtblicken, die die Herbsttagung erhellten.

Montag, 24. November

Den Start machte zum Jahrestag des Missionsreferates Sr. Christine Rod, Regionalleiterin der Region Deutschland/Österreich der Missionarinnen Christi, mit ihrem Impulsreferat zum Thema „Missionarisch leben in allen Lebensphasen“. Der inhaltliche Kern lautete: Früher war mit Missionsarbeit oft ein Auslandaufenthalt verbunden. Doch heute müssen sich viele Ordensgemeinschaften für sich eine neue Sendungsmission definieren. Die Gründe wären einerseits die personelle Struktur, andererseits wären viele Aufgaben, die sozialen Missständen entgegenwirken sollten, von staatlicher Seite übernommen worden. Die Orden haben in vielen Bereichen eine gewaltige kulturelle, soziale und emanzipatorische Leistung übernommen. Missionsarbeit kann heute auch im Heimatland nach innen passieren. Anders als früher, würden die Orden heute auf kleinräumigere Initiativen setzen. Und aufgrund der Internationalisierung der Ordensgemeinschaften kommen auch Ordensleute zu uns, um hier ihren Missionsauftrag zu erfüllen.
(Die Audiofiles zum Nachhören finden Sie hier:Teil 1 und Teil 2.)

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Am Nachmittag erzählte P. Anton Srholec über die „Kirche im Widerstand“. Der slowakische Salesianer, auch als "Vater der Armen" bezeichnet, ist in seinem Heimatland eine moralische Autorität. 1951 wurde er vom damaligen kommunistischen Regime der Tschechoslowakei zu zehn Jahre Haft verurteilt, den Großteil davon im berüchtigten Uranbergwerk Jachymov. Doch in der Haft habe sich sein Ordensleben radikalisiert. Eigentlich hätte er als Missionar in ein Entwicklungsland gehen wollen, nun sei er zum Missionar im Gefängnis geworden. Nach seinem Pensionsantritt blieb Srholec weiterhin in Menschenrechtsorganisationen und Sozialinitiativen aktiv, vor allem im Obdachlosenzentrum Resoty.

Gleichzeitig fand am Vormittag die 40. Vollversammlung der Arbeitsgemeinschaften der Ordensspitäler Österreichs statt. Franz Hirschmugl vom Grazer Institut für Markenentwicklung präsentierte konkrete Maßnahmen zu „Ergebnisse des Markenprozess Ordensspitäler“.

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Am selben Tag fand die Generalversammlung der Männerorden und das Präsidium der Frauenorden statt.

Dienstag, 25. November

Der Österreichische Ordenstag begann mit einem Morgenlob in der Konzilsgedächtniskirche und mit der Begrüßung durch Sr. Beatrix Mayrhofer, Präsidentin der Vereinigung der Frauenorden Österreichs, und Abtpräses Christian Haidinger, Erster Vorsitzender der Superiorenkonferenz der männlichen Ordensgemeinschaften Österreichs. Sr. Joanna Jimin Lee, Missionarin Christi und ausgebildete Konzertpianistin, begleitete den Tag musikalisch am Flügel und sorgte für eine inspirierende Atmosphäre.

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Durch den Tag führte David Bosshart, Geschäftsführer des Gottlieb Duttweiler Instituts für Wirtschaft und Gesellschaft in Zürich. Er fragte in zwei Impulsreferaten einerseits, „Was bewegt Menschen heute?“ und andererseits, „Was Ordenschristen bewegen können“. Die anwesenden Ordensleute ermutigt Bosshart, „klarer und deutlicher über die eigenen Lebensprogramme und Sichtweisen in der Gesellschaft zu reden.“ Bosshart stellt fest, in unserer westlichen Welt leben wir in einer saturierten Epoche. Es besteht der Wunsch, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. „Wer mit allem versorgt ist, der sehnt sich nach dem Nichts.“ Weniger heißt nicht verzichten, sondern die Schwerpunkte neu zu setzen.
(Die Audiofiles zum Nachhören:"Was bewegt Menschen heute" und "Was Ordenschristen bewegen können".)

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Gleichzeitig beschreibt die Angleichung an das Tempo der Maschinen und Technik die Geschwindigkeit des Wandels. Alle Produkte sind technologischer geworden. Unsere Partner in Zukunft werden immer mehr auch die Maschinen sein. Wer es versteht, Maschinen zu Partnern, Mitarbeitern, Coaches, ja zu Freunden zu machen, wird mehr Gestaltungsraum schaffen. Letztendlich ist die Geschichte der Menschheit eine Geschichte der Automatisierung. Es geht heute darum, Balance zu finden und eine bewusste Haltung zu dieser Entwicklung einzunehmen. Menschen, die keine Selbstdisziplin haben, lassen Technik zum Selbstzweck verkommen. David Bosshart: „Ordenschristen können in der Beteiligung an den Veränderungsprozessen diese Balance leben.“

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Drei Kurzfilme aus der Gesprächsreihe „viel mehr wesentlich weniger“ leiteten den Nachmittag ein. Zusammen mit David Bosshart suchte man noch einmal in Gesprächsgruppen, sich über das Wesentliche auszutauschen.
(Das Audiofile zum Nachhören finden Sie hier.)

Ein weiterer Tagesordnungspunk war die Verleihung des mit 10.000 Euro dotierten Preis der Orden. Die Auszeichnung wird alle zwei Jahre für „engagierte Leistungen an der Schnittstelle zwischen Orden und Gesellschaft“ vergeben. Heuer gab es zwei Preisträger: Dr. Josef „Jussuf“ Windischer und das Projekt „Waldhüttl“, ein Wohnprojekt für Menschen ohne Heimat. Und an das Projekt „Demenz weiter denken“ der Caritas Socialis, das sich dafür einsetzt, dass demente Menschen und ihre Angehörigen mehr gesellschaftliche Teilhabe erfahren.

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Der Höhepunkt des Tages stellte sicherlich die Eucharistiefeier dar. 200 eigens gestaltete Kerzen stehen für alle heimischen Frauen- und Männerorden; mit ihrer Entzündung, mit diesem besonderen Lichtritual, war das JAHR DER ORDEN 2015 offiziell eröffnet. Das Kerzenlicht ist ein Leuchtfeuer, das in diesem besonderen Themenjahr den Menschen als Wegweiser dient, die Orden zu finden, gleichzeitig aber auch ein Wegweiser, in einer inneren Reflexion zu sich selbst zu finden. Das Gebet zum JAHR DER ORDEN wurde gemeinsam gebetet.

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In ihrer Festpredigt fragte Sr. Beatrix Mayrhofer, ob man denn überhaupt ein ganzes JAHR DER ORDEN benötige. Sie ist überzeugt, die Orden brauchen es wie ein Stück Brot. Der althochdeutsche Ursprung des Wortes „brauchen‘“ heißt eigentlich „Nahrung aufnehmen“. Seit Jahrtausendenden bitten die Menschen darum: Gib uns heute das Brot, das wir brauchen! Der Vater hört die Bitte“, sagt Sr. Mayrhofer, „aber der Sohn braucht, um das Brot zu teilen, die Jünger.“ Jede und jeder wird gebraucht. „Menschen brauchen das Evangelium“, ist sich die Ordensfrau sicher, aber „das Evangelium braucht auch Menschen. Das Evangelium muss verkündet, muss gelebt, muss geweckt werden.“ Die Ordensleute hätten dabei den Weckdienst übernehmen, damit die Kirche nicht schläfrig wird. Ordenschristen sind Munter-Macher, die ehelos, arm und gehorsam leben, um den Menschen zu dienen – wenn es sein muss, auch in dunklen Zeiten. Denn „das Licht ist uns anvertraut, das Licht der Hoffnung, der Zuversicht.“ Und weiter: „Wir Ordenschristen müssen bei den Menschen sein, denen das Brot fehlt … An einem Tag? Ein Jahr lang? Ein Leben lang!“
(Das Audiofile zum Nachhören finden Sie hier.)

Mittwoch, 26. November

Der Schultag stand unter dem Motto „Herausforderungen für Ordensschulen heute“. Das Impulsreferat hielt der international renommierte Erziehungswissenschaftler Albert Wunsch. Der Dozent an der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen in Köln übte in Vortrag mit dem Titel „Spaßgesellschaft und Leistungsanforderung“ Kritik an der hedonistischen Gesellschaft und plädierte für mehr Charaktererziehung. Das Vergnügen rückte immer mehr in den Vorder- und die Verantwortung in den Hintergrund; die Gesellschaft verstand sich immer mehr als „Spaßgesellschaft“. Die Konsequenz daraus war auch die sog. Spaßpädagogik nach dem Motto: Lernen muss Spaß machen. Doch „Wachstum entsteht durch Anstrengung, durch ein eigenständiges Meistern von Aufgaben und Problemen.“, so Wunsch. „Wer nicht von klein auf Herausforderungen kennt, der wird auch später keine Herausforderungen meistern.“ Kinder müssten in die Welt hineinwachsen. „Die Basis dafür seien Eltern, die liebevoll und herausfordernd sind" und eine "wohlwollende, vorlebende und konsequente Erziehung" leben. Nur so könne eine selbständige Persönlichkeit ausgebildet werden.
(Die Audiofiles zum Nachhören finden Sie hier: Teil 1 und Teil 2.)

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Unter dem Titel „Dem Evangelium ein Gesicht geben“ sprach anschließend Oswald Stanger, ehemaliger Schulamtsleiter der Diözese Innsbruck. Orden und Kirche engagieren sich im Bildungsbereich, weil Bildung Hilfe zur Menschwerdung ist. Katholische Schulen haben die Rede von der Gottebenbildlichkeit, von der einmaligen Würde jedes Menschen, haben das Evangelium von der Menschwerdung in die Bildung einzubringen. „Was ist die Spiritualität in unseren Einrichtungen?“, fragte der Referent und zählte auch einige wichtige Punkte auf. Doch letztendlich komme es auf eines an: „Das Gesicht des Evangeliums sind Sie!“, betonte Spanger gegenüber den rund 220 anwesenden DirektorInnen und SchulerhalterInnen katholischer Privatschulen.

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Den Abschluss machte Anne Mautner Markhof, Präsidentin des Hauptverbandes Katholischer Elternvereine Österreichs, die die Ergebnisse der Studie „Eltern für Eltern“ präsentierte.

Gleichzeitig fand auch der Informationstag des Referates für die Kulturgüter der Orden statt. Br. Paul Zahner vom Franziskanerkloster Graz fragte unter dem Titel „Reiche Klöster – arme Ordensleute?“ provokant: „Wollen wir die Güter aufgeben oder pflegen wir sie?“ Es gehe um den sinnvollen Umgang mit gemeinsamen Gütern. Es gehe darum, Dinge verantwortungsvoll zu besitzen, aber auch darum, Dinge abzugeben, wenn sie keinen Nutzen mehr erbringen. Persönlich besitzen Ordensleute in der Regel nichts. „Güter müssen dem Leben dienen und nicht umgekehrt.“, so Zahner.
(Das Audiofile zum Nachhören finden Sie hier.)

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Der Jesuitenpater Gustav Schörhofer beleuchtete unter dem Titel „Nicht nur aus Sammellust“ den Platz der modernen Kunst im Ordensleben: Er sieht die Motivation, sich in einer Gemeinschaft mit moderner Kunst auseinanderzusetzen darin, „Aufgeschlossenheit zu zeigen“. Mit moderner Kunst kann Neues beginnen, Unerhörtes gewagt oder auch das Eigene neu entdeckt werden. Schörghofer ist überzeugt: „Moderne Kunst kann das Ordensleben vertiefen helfen, wenn sie nicht vereinnahmt wird.“

Prof. Ferdinand Reisinger vom Stift St. Florian betonte in seinem Referat „wir STIFTen kultur“ die Funktion der Orden als Kulturträgerinnen und Kulturstifterinnen durch alle Zeiten hindurch: „Der Dienst an der Schönheit gehört ganz wesentlich zu uns.“ Der Linzer Tourismusdirektor lotet die Rolle der Klöster "zwischen Beten und Bestaunen" aus.
(Das Audiofile zum Nachhören finden Sie hier.)

Den Abschluss machte P. Laurentius Eschlböck vom Schottenstift, der als Rechtsreferent der Orden den Besitz von Kulturgütern vom Kirchenrecht her beleuchtete.

Einige Audio-Mitschnitte der Herbsttagung zum Downloaden finden Sie unter http://www.ordensgemeinschaften.at/publikationen/audio

Hier finden Sie eine pdfZusammenfassung der Kathpress in PDF-Form.

Fotos: Katrin Bruder

[rs]