Neuer Abt muss nichts neu erfinden aber kreativ sein

Abt Lukas Dikany, seit 9. September neuer Abt von Stift Schlägl beschreibt die Lage des ihm angetrauten Stiftes: Es müssten neue Akzente gesetzt werden, „aber im Grunde genommen sind wir gut unterwegs. Ein neuer Abt braucht das Kloster nicht neu erfinden, sondern darf weiterbauen und so darf ich Sorge tragen, dass das Stift Schlägl weiterhin geistliches Zentrum bleibt und sich weiterentwickelt".

 

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 Der neue Schlägler Abt will besonders junge Menschen anprechen. Dafür brauche es kirchliche Gemeinschaften und einzelne Christen die den Glauben authentisch leben (c) Wohlmacher

Als geistlicher Ort wolle man auch ausstrahlen und weiterhin in der Seelsorge von 27 umliegenden Pfarren arbeiten, betonte Dikany. Seit 800 Jahren sei es Auftrag der Ordensgemeinschaft, das Evangelium in die Herzen der Menschen zu legen. "Da müssen wir kreativ sein."

Religiöse Gleichgültigkeit vs. Vermittlung von Glaubensfreude und Hoffnung

Die Kirche sieht der Abt heute mit einer "religiösen Gleichgültigkeit" konfrontiert. Angesprochen auf das Ringen um neue Strukturen in der Diözese Linz, meinte der Ordensmann: "Ich weiß nicht, ob die Struktur das Entscheidende ist. Es braucht Menschen, die für den Glauben brennen und sich für die Welt engagieren." Kirche und Gesellschaft lebten nicht nur von neuen Strukturen, sondern von konkreten Gesichtern, die Glaubensfreude und Hoffnung ausstrahlen. Auch wenn sich die kirchliche Struktur wandle, "werden die Eucharistiefeier und die Nächstenliebe bleiben. Das sind die beiden Beine des christlichen und klösterlichen Lebens".

Authentizität vorleben

Ein besonderes Anliegen sind dem Abt junge Menschen. Um diese anzusprechen, brauche es kirchliche Gemeinschaften aber auch einzelne Christen, die "authentisch leben. Daran werden die Kirche und eine Ordensgemeinschaft gemessen". Spüren die jungen Menschen, dass sich der Glaube positiv auf ihr Leben auswirkt, "dann schauen sie sich das an. Wir wollen einladend bleiben, als ein Ort der Gastfreundschaft", ist der Ordensmann überzeugt.

Erntedankfest beendet 800-Jahr-Jubiläum

Am 6. Oktober gehen mit einem Erntedankfest die im Vorjahr, am 30. September, begonnenen Feierlichkeiten zum 800-Jahr-Jubiläum des Stiftes zu Ende. Rückblickend auf das Jubiläumsjahr meinte der Abt: "Wir haben gut gefeiert. Es gab viele Veranstaltungen, geistliche Konzerte, Vorträge, schöne Gottesdienste." Das Stift war heuer auch Schauplatz der Landesgartenschau "BIO.Garten.Eden", die seit ihrer Eröffnung bereits mehr als 200.000 Menschen besucht haben.

Das Stift ist in der Region auch ein wichtiger Arbeitgeber. Für Dikany lassen sich christliche Werte und wirtschaftliches Denken durchaus vereinen. "Christlich wirtschaften heißt für mich, Verantwortung übernehmen, nachhaltig und regional zu denken und, nicht spekulativ mit den uns anvertrauten Gütern umzugehen."

Portrait zum 800-Jahr Jubiläum des Stifts mit Abt. em. Martin Felhofer (c) mschauer

Über das Stift

Stift Schlägl am Fuße des Böhmerwaldes geht auf eine Gründung bereits um das Jahr 1203/04 zurück, zunächst durch eine andere Ordensgemeinschaft: Zisterzienser-Abt Theoderich begann unter extremen klimatischen und wirtschaftlichen Bedingungen mit einer kleinen Gruppe Mitbrüder aus dem Kloster Langheim bei Bamberg mit der Errichtung. Im Winter 1214/15 endete das Kloster mit dem Tod des Abtes durch Entkräftung, woraufhin die übrigen Brüder nach Langheim zurückkehrten. Der Stifter Kalhoch von Falkenstein übergab 1218 das Stift an die Prämonstratenser aus dem Kloster Mühlhausen in Böhmen, die ab 1250 die heutigen Klosteranlage errichteten. Bis heute erinnert die romanische Krypta daran.