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Ordenswerkstatt: Alles im Fluss - Ordensleben in der spätmodernen Gesellschaft

Rainer Bucher, Professor für Pastoraltheologie in Graz, begleitete Ordensleute, Mitarbeiter*innen und Wegbegleiter*innen bei der diesjährigen Ordenswerkstatt am 3. März 2022 zum Thema „Alles im Fluss – Ordensleben in der spätmodernen Gesellschaft.“

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„Alles im Fluss“ war das Motto der diesjährigen Ordenswerkstatt. Pastoraltheologe Rainer Bucher führte die Teilnehmer*innen in konzentrischen Kreisen – vom Großen bis hin zum Kleinen – an das Thema heran. (c) pixabay

Die Ordenswerkstatt ist ein Tag zum gemeinsamen Vor- und Nachdenken über Präsenz und Wirksamkeit von Orden (und ihren Einrichtungen) hier und heute. Einer, der die Gegenwart und ihre vielen Zusammenhänge in der Gesellschaft und in der Kirche exzellent wahrnehmen, reflektieren und deuten kann, ist Rainer Bucher, Professor für Pastoraltheologie in Graz. Er führte die Teilnehmer*innen der Ordenswerkstatt in konzentrischen Kreisen – vom Blick auf die Gesellschaft, über die Rolle der Kirche in der Gesellschaft, bis hin zu „was bedeuten diese größeren Zusammenhänge für die Orden?“ – an das Thema heran.

Die Teilnehmer*innen waren eingeladen gemeinsam mit Prof. Rainer Bucher über die Präsenz und Wirksamkeit von Orden (und ihren Einrichtungen) hier und heute vor- und nachzudenken. (c) ÖOK/Magerl

Die Teilnehmer*innen waren eingeladen gemeinsam mit Prof. Rainer Bucher über die Präsenz und Wirksamkeit von Orden (und ihren Einrichtungen) hier und heute vor- und nachzudenken. (c) ÖOK/Magerl

Wir beherrschen die Gegenwart nicht

Professor Bucher begann mit einem Gedankenexperiment für die Teilnehmer*innen: „Denken Sie an das Jahr 1988 zurück und überlegen Sie sich, was Sie damals von der Zukunft erwartet haben? Und dann überlegen Sie sich, was wirklich gekommen ist.“ Wer hätte 1988 damit gerechnet, dass die Sowjetunion zerfällt, dass islamische Fundamentalisten Teile der Welt zerstören, dass wir immer und überall erreichbar sein werden, ein afroamerikanischer Präsident die USA regiert oder auch ganz aktuell, wer hätte mit Krieg in Europa gerechnet?

Quintessenz dieser Überlegung sei laut Rainer Bucher: „Was wir uns heute vorstellen, was kommen wird, wird nicht das sein, was kommen wird. Wir beherrschen die Gegenwart nicht.“ Die von uns in Gang gesetzten Entwicklungen – technisch, kulturelle, wissenschaftliche und gesellschaftlich – verquicken sich hinter unserem Rücken und zeigen sich vor uns als unerwartete Probleme. „Wir leben nicht in einer kausalen, sondern in einer stochastischen Welt.“ Die Digitalisierung oder das Ende des Patriachats seien Beispiele für revolutionäre gesellschaftliche Entwicklungen.

Diese Unvorhersehbarkeit bedeute laut dem Pastoraltheologen aber auch, dass es nicht nur unerwartete Probleme, sondern auch unerwartete Lösungen geben könne.

Prof. Rainer Bucher begleitete die Teilnehmer*innen der diesjährigen Ordenswerkstatt zum Thema „Alles im Fluss – Ordensleben in der spätmodernen Gesellschaft.“ (c) Furgler, Graz

Prof. Rainer Bucher begleitete die Teilnehmer*innen der diesjährigen Ordenswerkstatt zum Thema „Alles im Fluss – Ordensleben in der spätmodernen Gesellschaft.“ (c) Furgler, Graz

Religion wird nachrangig

Eine dieser gesellschaftlichen Entwicklung betrifft auch die Religion in unserer Gesellschaft. „Religion verschwindet nicht, sie wird aber gesellschaftlich wie im individuellen Leben nachrangig. Die Nutzung von Religion polarisiert sich hin zu den Polen völliger Abstinenz oder hoher Identifikation. Religiöse Angebote werden situativ genutzt, und das alles in einer Zeit, in der die Verunsicherung ständig steigt“, erklärte der Experte. Umfragen zeigen, dass der Wert „Religion“ an Wichtigkeit verliert, Werte wie „Familie und Freunde“ liegen dagegen ganz vorne.

Und was bedeuten diese gesellschaftlichen Entwicklungen für die katholische Kirche?

Die katholische Kirche stehe am Kipppunkt ihrer Geschichte. Die „Pastoralmacht“, die sie lange besessen und ausgelebt hat, geht nach und nach verloren. Pastoralmacht zeige sich laut Universitätsprofessor Bucher auf drei Ebenen: auf der Ebene der individuellen Spiritualität, der gemeinschaftlichen sowie der staatlichen/herrschaftlichen Ebene. Die Kirche koppelte diese drei Ebenen. Ziel der Pastoralmacht sei es, zu bewachen und zu überwachen, also Schutz UND Kontrolle. Um das eigene Heil zu erreichen, müsse der Hirte seine Herde be- und überwachen, sein Wissen über die Schafe muss dazu allumfassend sein. Mit dieser Pastoralmacht der Kirche aber sei es vorbei.

Sr. Christine Rod moderierte die Ordenswerstatt und stellte sicher, dass die Teilnehmer*innen die gehaltvollen Ausführungen von Rainer Bucher für sich selbst gut reflektieren und in Kleingruppen besprechen und diskutieren konnten. (c) ÖOK/Magerl

Sr. Christine Rod moderierte die Ordenswerkstatt und stellte sicher, dass die Teilnehmer*innen die gehaltvollen Ausführungen von Rainer Bucher für sich selbst gut reflektieren und in Kleingruppen besprechen und diskutieren konnten. (c) ÖOK/Magerl

Wie mit dem Kontroll- und Machtverlust umgehen?

Die Kirche erleidet daher einen umfassenden Kontroll-, Macht- und Reichweitenverlust. Dies hat vielfältige Gründe und Ursachen, aber wie soll und kann Kirche mit diesem Kontrollverlust umgehen? Rainer Bucher rät dazu, „Räume“ zu schaffen, in denen sich die Chance erhöht, das passiert, wozu es Kirche gibt: „die kreative Konfrontation von Evangelium und Existenz. Oder anders gesagt. Räume, in dem man dem heiligen Geist eine Wirkungschance gibt.

Laut Rainer Bucher bedeutet dies:

  • individuellen Freiheit nicht nur „zugestehen“, sondern dankbar „anerkennen“
  • Unterschiedliche Räume schaffen, in denen das Evangelium in seinen vielfältigen Dimensionen erfahren werden kann
  • Karl Rahners „Tutiorismus des Wagnisses“ beherzigen: Das Gewagtere ist das Sicherere.

Er verdeutlichte das Gesagte anhand eines konkreten Beispiels: Statt alle Schüler*innen zum Schulgottesdienst zu verpflichten und sich auf dieser Verpflichtung auszuruhen, sollte man sich lieber fragen: Wie gestalte ich einen Schulgottesdienst so, dass die Schüler*innen freiwillig kommen? Der Clou dabei sei: „Er oder sie muss spüren, dass er durch uns Räume entdecken kann, die er sonst nicht entdecken würde.“

Und was bedeutet das jetzt für die Orden?

Nach dem Blick auf die Gesellschaft und dem Blick auf die katholische Kirche, bleibt die Frage, was diese Entwicklungen für Auswirkungen, Herausforderungen und Chancen für die Ordensgemeinschaften mit sich bringen. Rainer Bucher gab den Teilnehmer*innen folgende Impulse:

Sich nicht ausschließlich von der Gründungsgeschichte her verstehen

Die Gründer*innen von Orden schafften damals wirklich Neues. Dieses Neue von damals bleibt wichtig und beispielhaft, ersetzt aber nicht die Suche nach dem heute vom Evangelium her notwendigen Neuen in Spiritualität, Sozial- und Lebensformen.

Kreativer Kontrast sein

Menschen sind stets auf der Suche nach sozialer Anerkennung und sinnstiftenden Orten. Die von Ordensfrauen und -männern gelebten evangelischen Räte bieten einen kreativen Kontrast zu anderen Lebensformen. Armut als kreativer Kontrast bedeutet zum Beispiel in Solidarität mit den Schwächeren in unserer Gesellschaft zu leben. Menschen, die diesen kreativen Kontrast leben, erhalten dann auch soziale Anerkennung. Dabei ist nicht so sehr wichtig, wie Orden sich selbst verstehen, sondern wie sie wahrgenommen werden.

Mutig und risikoreich sein

Im Zweifelsfall für das Risikoreichere (nicht das Sichere) entscheiden, so wie es auch schon die Gründungspersönlichkeiten getan haben. Dabei sei wichtig: Erkennbarkeit, Erreichbarkeit, Zugänglichkeit. Eine vernetzte Gesamtpastoral fordert wechselseitiges Interesse und neue mediale Gestaltung.

In der Gegenwart leben

Wie verstehe ich mich? Wie erlebe ich die anderen? Was tue ich wirklich? Orden werden um Neugründungen nicht herumkommen. Wichtig ist aber, Neugründungs- und Veränderungsprozesse als Befreiung für neue Möglichkeiten wahrzunehmen! Neue Perspektiven eröffnen sich.

Orte der Tradition im Heute sein

Orden sollen heutige Orte der Tradition sein und nicht Orte des Gestern im Heute. Orden machen hier sehr vieles richtig und erkennen die Zeichen der Zeit. Die sozialen Fragen des letzten Jahrhunderts wurden von Orden aufgegriffen. Auch wenn es noch keine Antwort für die Probleme der Zeit heute gibt, Orden dürfen nicht ausweichen, sondern müssen hinsehen und eingreifen

Seien Sie ein Segen!

Gefragt nach einem Schlußwort formulierte Rainer Bucher „Seien Sie ein Segen“. Das gab er den anwesenden Ordensfrauen und -männern mit auf den Weg.


Weiterlesen:

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[renate magerl]


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