Sr. Beatrix Mayrhofer: Kopftuch-Verbot für Kinder nicht sinnvoll

20180405 sr beatrix 120Frauenorden-Präsidentin Sr. Beatrix Mayrhofer hält ein Kopftuch-Verbot für Mädchen in Kindergärten und Volksschulen für nicht sinnvoll. Grundsätzlich stehe sie der Angelegenheit kritisch gegenüber, ein Verbot sei allerdings nicht die richtige Lösung. Dadurch wachse nur die Opposition Betroffener dem Staat gegenüber und treibe diese in die Isolation. Sinnvoller sei es, mit den Verantwortlichen der islamischen Glaubensgemeinschaft ins Gespräch zu kommen und Kinder in ihrer Entwicklung zu stärken.

Für die Ordensfrau und ehemalige Leiterin des Gymnasiums Friesgasse ist die Diskussion Ausdruck einer Angst vor dem Islam und den kulturellen Veränderungen, die dieser bereits angestoßen habe. "Es herrscht eine verdeckte Angst vor Veränderungen in der Gesellschaft durch den Einfluss von Menschen anderer Religionen und Kulturen." Diese Angst gelte es ernst zu nehmen und mit den Betroffenen das Gespräch zu suchen. Der Islam sei allerdings Teil der österreichischen Gesellschaft, "und ich meine, dass uns vom Konzil her Respekt und Wertschätzung für jede Religion aufgetragen ist", so Sr. Mayrhofer. Es gelte zu fragen, "was können wir vom Islam lernen", betonte sie mit dem Hinweis auf die Treue vieler Muslime zu ihrer Religion.

Nach Mayrhofers Einschätzung ist es kein Anliegen der islamischen Religion, dass bereits kleine Mädchen Kopftuch tragen. Die Entscheidung für oder gegen ein Kopftuch sei eine, die heranwachsende Jugendliche zu treffen haben. Problematisch sei ein mögliches Verbot auch im Hinblick auf die menschliche Freiheit und auf mögliche Ausweitungen der Regelung. Es stelle sich die Frage, "wo ziehen wir die Grenze? Dürfen künftig Schüler kein Kreuz mehr tragen?". Auf dem Spiel stehe neben der Freiheit, sich nach eigener Vorliebe zu kleiden, letztlich auch die Religionsfreiheit. Persönlich ziehe sie die Grenze dort, wo Eltern ihre Kinder in etwas hineinzwingen, sagte die Ordensfrau.

[rsonnleitner]