"Klösterreich": 26 Klöster bieten umfangreiches internationales Angebotspaket

20180411 pk kloesterreich 120Mit bereits 21 Klöster in Österreich und fünf in den Nachbarstaaten Deutschland, Tschechien, Ungarn und der Schweiz startet der Tourismusverein "Klösterreich" in die Saison 2018. Unter dem Motto "Kultur-Begegnung-Glaube" haben sie gemeinsam ein umfangreiches Angebotspaket geschnürt.

Neu hinzugekommen sind 2018 das oberösterreichische Stift Lambach, das Prämonstratenserstift Zeliv (Seelau) in Tschechien und das Benediktinerkloster Disentis in der Schweiz. Sr. Michaela Pfeiffer-Vogl, Präsidentin von "Klösterreich", zeigte sich bei einer Pressekonferenz am Mittwoch in Wien hoch erfreut über die zunehmende Internationalität der Initiative und sprach von einer "großen Bereicherung".

"Kösterreich"-Mitglieder sind die Stifte Altenburg, Geras, Göttweig, Heiligenkreuz, Herzogenburg, Klosterneuburg, Lilienfeld, Melk, Seitenstetten, Zwettl, Lambach, Kremsmünster, Schlägl, St. Florian sowie die Marienschwestern vom Karmel Linz; weiters die Stifte Admont, Rein, St. Lambrecht, St. Paul im Lavanttal, das Kloster Wernberg und das Stift Stams. Im Ausland sind es die Abtei Waldsassen (Deutschland), das Kloster Disentis (Schweiz), die Erzabtei Pannonhalma (Ungarn), sowie das Stift Raigern/Rajhrad und das Kloster Zeliv (Selau) in Tschechien.

Was alle 26 Klöster gemeinsam haben ist ihre Gastfreundschaft. So bieten sie in Bildungshäusern, in einfachen Klosterzellen oder in angegliederten Betrieben ganz unterschiedliche Formen der Aufnahme und Unterbringung an. Sowohl bei Tages-Besuchen als auch bei Nächtigungsangeboten könne man am Leben der jeweiligen Gemeinschaft teilnehmen, sich weiterbilden, Spiritualität erleben, seine Gesundheit stärken, Kultur erleben oder einfach nur in Ruhe und Stille ausspannen, so Sr. Pfeiffer.

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In Kooperation mit den Ordensgemeinschaften Österreichs hat "Klösterreich" eine neue Broschüre mit dem Titel "Kultur - Begegnung - Glaube" herausgebracht, in der alle 26 Klöster beziehungsweise deren Angebot zusammengefasst sind. 

"Mona Lisa des 12. Jahrhunderts"

Für den "Klösterreich"-Neuling Stift Lambach warb bei der Pressekonferenz dessen Abt Maximilian Neulinger. Das Kloster wurde 1056 gegründet. Ein kulturhistorisches Zeugnis der Anfangsjahre sind die romanischen Wandmalerein im noch erhaltenen Westchor der ersten Klosterkirche. Derzeit finde eine große Kampagne statt, diese wertvollen Bilder zu sichern, so Abt Neulinger. Laut Kunsthistorikern herrsche die Meinung vor: "Die Mona Lisa des 12. Jahrhunderts in Österreich findet man in Lambach."

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Die Mönche des Stifts wirken u.a. in der Pfarrseelsorge. Forst, Fischerei und Gastronomie bringen ein ständiges Einkommen, das den Erhalt des Klosters sichert. Das Archiv und die Handschriften- und Musiksammlungen sind Zeugnisse, dass das Stift Lambach schon lange ein Kulturzentrum ist. Daneben ist es auch ein Bildungszentrum, denn zum Stift gehörten ein Gymnasium und eine Handelsakademie. "500 Schüler sorgen dafür, dass das Kloster lebendig ist", so Abt Neulinger. Es gebe aber auch viele Rückzugsräume, ein Gästehaus für persönliche Einkehr und spirituelle Veranstaltungen. 

Ein Kloster als Gefängnis

Das tschechische Kloster Zeliv (Seelau) blickt auf eine bewegte Geschichte zurück, wie Abt Jachym Jaroslav Simek berichtete. Gegründet 1139 als Benediktinerkloster zogen schon nach zehn Jahren Prämonstratenser ein. Während der Hussitenkriege wurde das Stift zweimal überfallen, ausgeraubt und abgebrannt. Die barocke Blüte des Klosters wurde wiederum durch einen Brand im Jahre 1712 unterbrochen. Im Zweiten Weltkrieg mussten mehrere Gebäude für eine deutsche Mittelschule und die deutschen Luftwaffe freigegeben werden. Nach dem Krieg zog die russische Armee ein.

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1950 wurde das Kloster von den Kommunisten liquidiert. Das Stift wurde in ein Gefängnis umgewandelt, wo in den Jahren 1951 bis 1954 verschiedene Bischöfe und Priester interniert waren, unter anderem der spätere Kardinal Frantisek Tomasek und Bischof Karel Otcenasek. Im Jahre 1956 wurde das Kloster in eine Heilanstalt für Alkoholiker und in eine psychiatrische Klinik umgewandelt. 1991 haben die Prämonstratenser schließlich die Gebäude des Klosters zurückerhalten und konnten dieses seither neu beleben.

Benediktiner in Ungarn und der Schweiz

Das Kloster Disentis im Schweizer Kanton Graubünden ist das älteste Benediktinerkloster nördlich der Alpen. Sein Ursprung reicht in das Jahr 614 zurück. Dementsprechend beherbergt auch das Klostermuseum Schätze aus 1.400 Jahren. Im Umfeld iroschottischer Wandermönche kam Anfang des 7. Jahrhunderts der der fränkische Einsiedler Sigisbert in die damals unbewohnte Gegend und errichtete zuerst eine Einsiedelei und schließlich das Kloster. Seither lebten im Kloster durchgehend Benediktinermönche. Heute zählt die Klostergemeinschaft 28 Mönche.

P. Konrad Dejcsics berichtete bei der Pressekonferenz in Wien über die Erzabtei Pannonhalma, die seit wenigen Wochen mit Cirill Hortobagyi einen neuen Abt hat. Pannonhalma ist ein zentraler Ort des kirchlichen und geistlichen Lebens in Ungarn. Die seit mehr als 1.000 Jahren (Gründung 996) bestehende und nach dem Heiligen Martin von Tours (316-397) benannte Abtei, in der heute rund 50 Benediktiner leben und arbeiten, ist neben der Domstadt Esztergom das wichtigste spirituelle Zentrum des Landes. Nachsatz von P. Dejcsics: Damit sei die Abtei auch älter als der ungarische Staat.

Die Klostergemeinschaft ist Trägerin eines Gymnasiums mit 230 Schülern samt Internat sowie eines Seniorenheims für pflegebedürftige Geistlichen. Die Schule sei eine der innovativsten in ganz Ungarn, so P. Dejcsics. Zum Kloster gehören seit eh und je auch mehrere Wirtschafts- und Produktionsstätten. Seit einigen Jahren wurden auch die touristischen Angebote ausgebaut. Derzeit wird ein Hotel errichtet, das 2020 eröffnet werden soll. Mit etwa 300.000 Bänden, darunter wertvolle Handschriften und alte Drucke, beherbergt die Abtei eine der größten Benediktinerbibliotheken der Welt.

DNA der Orden ist international

Sr. Franziska Bruckner, Vizepräsidentin der Vereinigung der Frauenorden Österreichs, bezeichnete Ordensleute als "Über-Brücken-Geher-und-Geherinnen". Orden seien in ihrer DNA nicht national, sondern international. Das zeichne sie aus. "Deshalb können wir nur begrüßen, wenn sich die Idee Klösterreich, auch wenn es sehr österreichisch klingt, ausbreitet, Grenzen überschreitet und internationaler wird." Es habe im Laufe der Geschichte noch nie geschadet, "Verbündete jenseits der Grenzen zu haben", sagte Bruckner. So seien die Orden immer auch Brückenbauer in verschiedenen Situationen, Vermittler und die Klöster und Ordenshäuser Orte der Begegnung.

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Das Motto "Kultur, Begegnung und Glaube" dürfe dabei nicht als "Wellness" verstanden werden, so Bruckner. Es gehe um mehr: "Es geht bei allem um das ganz tiefe Ausloten des ganzheitlichen Lebens. Erst dann bekommen wir das tiefe Wohl-Gefühl, das wir alle suchen, ein Stück Ankommen." In den Klöstern werde gerade durch den internationalen Blick und die internationalen Begegnungen dieses tiefere Verständnis spürbar, sichtbar, erlebbar. "Der Mensch kreist nicht um sich selbst, sondern reift am Du. Das kann er oder sie im 'Klösterreich' finden. Das verbindet uns über alle Grenzen hinweg, international." (Infos: www.kloesterreich.at).

Alle Fotos: Ferdinand Kaineder

[rsonnleitner] 

 

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