Romaria-Wallfahrt: An die Türen und an das Gewissen jener zu klopfen, die Macht und Möglichkeiten haben

 120 IMG 7720Weit über 100 Frauen und Männer haben die 24 Kilometer der „Wallfahrt in Solidarität mit Flüchtlingen“ am 26. April 2015 zu Fuß von Schwechat nach Maria Enzersdorf entlang von „Orten der Solidarität“ zurückgelegt. Die Generalleiterin der CS-Schwestern Susanne Krendlesberger und Abtpräses Christian Haidinger feierten mit den WallfahrerInnen zum Abschluß das „Politische Abendgebet“.

 

„Der Tag war ergreifend. Wir haben von Schicksalen gehört, aber auch von hilfreichen Einrichtungen und Lösungen in der Asyl- und Flüchtlingssituation. Wir wollen dem Gefühl der Ohnmacht Raum geben und dieses vor Gott tragen, der uns fähig macht, sich für andere Menschen in Not einzusetzen.“  So leitet Sr. Susanne Krendelsberger, die selber die ganze Strecke zu Fuß mitpilgerte, das Abendgebet in der Hl. Geist Kirche in St. Gabriel ein. Einzelne Flücht-Schicksale wurden vorgetragen, das Wallfahrerkreuz in der Mitte mit einem Tuch, Steinen und Kerzen „geschmückt“ und im Gesang und Gebet der Menschen gedacht, die im Mittelmehr umgekommen sind. Immer wieder die Bitte, die Kraft der Solidarität und Hilfe möge wachsen, weil so ein friedvolles Miteinander möglich ist.

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Begleiter für die, die auf unsere Hilfe warten

„Dass dieses friedvolle Miteinander möglich ist, hat unser heutiger Pilgerweg entlang der Orte der Solidarität gezeigt  und hoffentlich vielen Menschen, die uns auf dem Weg begegnet sind, erahnen lassen. Unser Pilgerweg muss weitergehen und mehr und mehr zur Begleitung derer werden, die auf unsere Hilfe warten. Und es gilt auch unsere Mitmenschen wachzurütteln und immer wieder an die Türen und an das Gewissen jener zu klopfen, die Macht und Möglichkeiten haben, sich für Frieden und Gerechtigkeit in unserer Welt stark zu machen und konkrete Schritte dazu auf den Weg zu bringen.“ Der Vositzende der Männerorden Abtpräses Christian Haidinger betonte das in seiner Ansprache beim politischen Abendgebet.  Er verwies besonders auf Papst Franziskus, der angesichts der Katastrophe im Mittelmehr sagte: „Die Opfer sind Männer und Frauen wie wir, sie sind unsere Brüder und Schwestern.“

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Fehlende breite Solidarität

Haidinger ermutigt zu breiter Solidarität mit Flüchtlingen: „Seit Jahren ist das Thema Flüchtlinge und Flüchtlingsschicksale omnipräsent. Und es macht uns rat- und hilflos. Bei allem Engagement vieler Hilfsorganisationen und den offenen Herzen vieler Menschen stoßen wir immer wieder an schier un-überwindbare Grenzen, vor allem auch durch das Fehlen einer wirklich breiten Solidarität in unserer Heimat und in den meisten Staaten Europas. Aber es gibt auch Zeichen der Hoffnung, die in den einzelnen Stationen der heutigen Wallfahrt angeklungen sind.“ Haidinger verweist auf Stationen am Solidaritätswallfahrerweg: Pfarrnetzwerkasyl, Schubhaftseelsorge, interreligiöse Aktivitäten wie vom Jugendrat der islamischen Glaubensgemeinschaft oder der Plattform für interreligiöser Begegnung,  das Abrahamhaus des Don Bosco Flüchtlingswerk für minderjährige Flüchtlinge, Unterstützung des Kolpingwerkes bei Arbeitssuche, Asylkoordinantion bis zur Caritas Flüchtlingshilfe im Haus der Steyler Missionare.  „Diese Initiativen sind ein hoffnungsvoller Blick hinein in die oft hoffnungslose Situation der Flüchtlinge. Und Anstoß und Ermutigung wohl auch für viele unserer Mitmenschen, endlich auch zuzupacken.“ 

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 Ein langer erfüllter Tag

Die ersten Trangsparente werden in Schwechat schon kurz vor 8 Uhr entrollt. Die lange Schlange der Wallfahrer setzt sich in Richtung „Zirkelweg“ in Gang, wo das „Pfarrnetzwerk Asyl“ die WalfahrerInnen - darunter viele Ordensleute - in ihre Arbeit einstimmte. Es ist noch kühl, obwohl die Sonne scheint. Viele gestalten Rucksacksprüche. Immer ist es der Mensch, der den Wallfahrern am Herzen liegt. Und die Solidarität. P. Franz Helm, der Inititator der Romaria-Wallfahrt, weist immer wieder darauf hin, „die Plattform gegen das Unrecht mit der Unterschrift zu unterstützen“. Er selbst hat in Brasilien Solidaritätswallfahrten (Romaria) mit 20.000 Menschen erlebt. Dort ging es um Landbesetzungen. Heute geht es um Solidarität mit Flüchtlingen. Jede Kirche am Weg wird genutzt zum Innehalten, zum Gebet, zur Information. Jugendliche Flüchtlinge verköstigen die Wallfahrer im Haus Abraham. Der Innenhof lässt durchatmen und Kraft tanken für den Weg ans Ziel. Am Trasparent steht: „Gott schützt und liebt die Fremden.“ Fremd war vielen GeherInnen auch der islamische Friedhof, der in einer eigenen Statio bedacht und begangen wurde. Immer wieder wurden die Wallfahrer mit Obst und Getränken unterstützt. Die Trommlergruppe "Samba Attac" begleitete ein Stück Weg und schaffte große Aufmerksamkeit am Weg. Die Pilgersuppe im Kloster der Steyler am Ziel machte bereit für das politische Abendgebet, das nochmals alle Anliegen und Situationen „ins Gebet brachte“.

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Pressefoto zum Download hier (Credit: Medienbüro)

Hier der Bericht von P. Franz Helm inklusive Predigt von Abtpräses Christian Haidinger.

[fk]

 

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